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Hier ein neuer Versuch die 🌎 Welt 🌍 zu verbessern: Mit Priorität die Metaebene fixen (d.h. eine konstruktive #Diskussionskultur erreichen) und dadurch die Lösung konkreter Probleme (#Klima, #Verteilung, #Gerechtigkeit, ...) vereinfachen. Details: 👇 ## Beteiligungsaufruf: Initiative zur Etablierung einer konstruktiven digitalen Diskussionskultur (KDDK) Wir als demokratische Gesellschaft haben ziemlich große Herausforderungen vor uns (Klima, Ressourcen, Verteilung, ...). Diese akzeptabel zu lösen, wird sehr schwierig, wenn wir nicht "vernünftig" miteinander diskutieren können und auf Basis dieser Diskussionen dann gut informierte Entscheidungen treffen. Leider läuft es aktuell ganz anders, insbesondere im digitalen Raum: Bei kontroversen Themen findet konstruktiver Austausch viel seltener statt als Irreführung, Polemik und Beleidigungen bis hin zu harter digitaler Gewalt. Bezugsloses Aneinander-Vorbeireden ist dann noch das geringste Übel, hilft aber beim Finden von Problemlösungen auch nicht. Ich denke, das sollte nicht so sein und vor allem muss nicht so bleiben. Ich bin überzeugt, dass es durch eine Kombination aus strukturellen, sozialen und technischen Innovationen möglich ist, eine echte Verbesserung zu erreichen. Diese Innovationen werden aber nicht vom Himmel fallen, sondern müssen entwickelt, getestet, kritisiert und verbessert werden. Dazu findet sich aktuell eine Gruppe von interessierten und engagierten Menschen zusammen, um Ideen zu sammeln und Handlungsoptionen auszuloten. Interesse? Ein erster Schritt ist das unverbindliche Beitreten zu einem der folgenden Kommunikationskanäle: - Matrix: https://matrix.to/#/#kddk:matrix.org - Signal: https://signal.group/#CjQKINNxipM4M31gGq6YW3TbDn67_U-qcQrMm1tIeAhmJtGEEhCzAOycIwatirqmVGrFmuCo - Telegram: https://t.me/+DxXEmlgu5Xw5NTAy - Mail: konstruktiver-diskurs@feditool.uber.space --- --- ↑ Dieser Aufruf wurde am 07. Juni 2023 veröffentlicht. Dem Aufruf sind ca. 20 Menschen gefolgt und beteiligen sich an der Diskussion in den genannten Chatgruppen. Es folgt ein Kondensat der bisherigen Ideen und Diskussionen (mit anonymisierten Kommentaren): --- --- # Stoffsammlung: Konstruktive digitale Diskussionskultur (KDDK) Am besten erstmal überfliegen und dann ggf. genauer lesen. Aktuell (2023-06-09 22:10) enthält das Dokument nur die subjektive Sichtweise von Carsten **Vorschlag:** Dieses Dokument kritisieren, berichtigen, verbessern und ergänzen, dann über die Details möglicher Lösungen diskutieren und dann versuchen davon was umzusetzen. Zum Kommentieren in den Bearbeitungsmodus wechseln und dort die Sprechblase (Symbol ganz rechts) anwählen. Dadurch werden dann Kommentare folgendermaßen in den Markdown Quelltext eingefügt: > [name=XYZ] Das ist ein Demo-Kommentar > [name=ABC] Beim Vergleich mit Medien wie SO oder Issue-Tracker finde ich es wichtig anzumerken, dass diese Medien von einer Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel ausgehen (SO: nützliches Q&A Forum, Issue Tracker: Erfolg des Projekts). Das ist auf politische Debatten nicht übertragbar, da diese deutlich antagonistischer geprägt sind. Verkürzungen, ad hominem und sonstige rethorische Kniffe werden angewandt, weil sie *funktionieren*, und was der Durchsetzung des eigenen Ziels dient wird gemacht. In so einem Kontext kann man aber auch Werte etablieren, z.B. sowas wie eine “gute Debattenkultur”. Ich seh die Crux dieses Projekts weniger in der technischen Umsetzung und mehr in der Bildung einer Community mit gemeinsamen Werten. Wenn man mit diesem Projekt etwas erreichen will (d.h. für mich: progressive Werte fördern) würde ich es nicht auf rein technische/faktische Sprache reduzieren sondern Rethorik zulassen, aber im Rahmen eines gewissen Standards der Argumentation. >> [name=XYZ] Stimmt. Aber es werden mitunter auch kontroverse Themen behandelt. Die ikonische VI-vs-Emacs-Debatte zeigt, dass Menschen unter bestimmten Bedingungen aus quasi allem einen Flame-War machen können. Und andersherum gilt auch in politischen Debatten grundsätzlich ein gemeinsames Ziel: die Lösung der anstehenden Probleme. (Natürlich sind politische Debatten stärker von Partikularinteressen geprägt als technische, aber ich sehe da eher einen graduellen Unterschied als einen fundamentalen.) **"Gute Debattenkultur"** ist sehr wichtig. Ich denke nur, mit Appellen alleine, kommen wir ihr nicht näher. Deswegen die Idee, etwas "konkretes", etwas "handfestes" zu schaffen, worauf man sich beziehen kann, siehe Lösungsvorschläge unten. ## Warum ist eine konstruktive digitale Diskussionskultur wichtig? - Kommunikation verschiebt sich immer mehr in digitale Medien - Digitale Kommunikation ist oft frustrierend (Missverständnisse, thematische Abschweifungen, Eskalation) - > [name=EFG] zu Abschweifungen: thematisch Verlust von Fokus, Ablenkung, aber auch Spamming u.ä. - > [name=EFG] Verlust der Sachebene: ad personam, Zerkontextualisierung, Framing, auch: Reduzierung, Metaeben - Dysfunktionale Kommunikation führt oft zu schlechten Entscheidungen (privat, in Gruppen, in der Politik) - > [name=EFG] Konflikte dominieren: Eskalation, Aggression, Fronten, Verhärtung, kein "Durchdringen" mehr - → "Alles, was scheitert, scheitert an Kommunikation!" ## Problemanalyse > [name=EFG] Welche Forschung gibt es? Recherche könnte Sinn machen, BuB-Pool (spontan: [Mehr als nur Filterblasen: ein Update aus der Medienwirkungsforschung](https://fahrplan22.bits-und-baeume.org/bitsundbaeume/talk/MH37R3/) [Enabling Democratic Discourse Beyond Privatized Digital Public Spheres](https://fahrplan22.bits-und-baeume.org/bitsundbaeume/talk/RXUUUE/) ) > > [name=XYZ] > > auch spontan: ["Foundation"-Artikelserie auf ConsilienceProject.org](https://consilienceproject.org/articles/) ### Allgemeines: - Aufmerksamkeit ist knappe Ressource - Komplexe Probleme erfordern relativ viel Aufmerksamkeit - Zeitgenössische Medien konditionieren Menschen auf relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne - "Wettbewerbsvorteil" für übersimplifizierte Scheinlösungen ("Populismus") - Aufmerksamkeit wird schlecht gelenkt: irrelevanter Quatsch bekommt manchmal mehr Aufmerksamkeit als wichtige Anliegen - Aufmerksamkeit lässt sich lenken (Twitter-Algorithmus, Troll-Fabriken, PR-Kampagnen, ...) - individuelle Filtermöglichkeiten sind beschränkt (Z.B. in Chatgruppen) - (Smartphone-)Bildschirm ist Informationsnadelöhr im Vergleich zu Präsenzkommunikation - Unübersichtlichkeit (z.B. längere Diskussion auf Mastodon, Twitter, Mailingliste): Wer hat auf wen geantwortet? Welches Argument ist schon hinreichend besprochen? Welches noch nicht? - Relativ niedrige Eskalations-Hemmschwelle vieler TN - Ausdruck von Empörung und Emotionalität dominieren oft die Kommunikation; dabei oft Wiederholung oder Steigerung des bisher schon gesagten. - Differenzierte Sichtweisen und Lösungsorientierte Wortmeldungen sind unüblich - Problematische Anreizstrukturen: - Menschen wollen wahrgenommen werden - Bedienen von (negativen) Emotionen (z.B. "Empörungsbewirtschaftung") bringt die meisten Reaktionen - Anreize für Individuen, die nach mehr Anerkennung streben - Anreize für Plattformen, die Nutzer:inne möglichst halten wollen (Werbung ausspielen, Daten sammeln) > [name=EFG] - Warum geht das online schief? > - Reale Interessenskonflikte > - existieren > - Größe des Auditoriums: Menschheit > - Interessen, Empfindlichkeiten, kulturelle Normen > - Kurzfristigkeit und Zufälligkeit von Begegnungen > - (hier bieten Forentools schon Lösungen an, was aber dann teilweise zum Problem von "Platzhirschen" und "Likes"-Wettbewerben führt) > - Dauerhaftigkeit der Speicherung > - "alles kann jederzeit gegen Dich verwendet werden" (und wird es auch) > - Ungehemmte Verbreitung, Kommerzialisierung und Auswertung von Daten, > - Profilbildung, Ausspähung > - Kontaktintensität: > - jederzeitige Verfügbarkeit des Diskussionsraums, jederzeitige Möglichkeit einer Antwort, mentale 24/7-Dauerdiskussion, innerer Dialog > - Textform erlaubt gründliches Nachdenken und Feilen an Antworten > - positiv (Sorgfalt) > - aber auch negativ: Sorgfalt im Sezieren und Zuspitzen > - Bewaffnung/Aufrüstung ("Weaponization") von Sprache: > - leicht verfügbares rhetorisches und psychologisches Wissen Werkzeuge zur Kategorisierung und Reduzierung des Opponenten auf zahlreichen nicht-sachlichen Ebenen: Persönlichkeit, Charakter, Unterstellung verdeckter Ziele, Taktiken, Strategien, Vorwurf vorgängiger Fehltritte, Untergraben und Entwerten von Informationsgrundlagen, gezielte Täuschung, Umwertung und Umdeutung von Begriffen > - "Die Rache des Flashmobs" > - Koordination hinter den Kulissen, vom Parallelchat auf anderen Medien über Influencing, Nudging und Thinktanks bis hin zu Propaganda > - stete Unsicherheit: wer agiert für wen, warum? > - Zusammenfassend, zugespitzt: > - Zerstörung von Vertrauen und Diskussionskultur, -fähigkeit > - Zerstörung von "Öffentlichkeit" ### Twitter - Viele Politiker- und Journalist:innen aktiv → Relevanz - Zeichenbegrenzung → Zwang zur Verkürzung (inkl. Zuspitzung) - Relevanz-Algorithmus sorgt für Blasenbildung → wenig Austausch - Sachliche Diskussionen zu kontroversen Themen quasi unmöglich, - weil zu viele irrelevante und toxische Beiträge - Unübersichtlichkeit - Twitter und Musk haben eigene ökonomische und politische Interessen ### Mastodon - Bisher im Vergleich zu Twitter zu wenig relevant - ähnliche Probleme wie Twitter, aber in oft weniger schlimm (Zeichenbegrenzung, Irrelevanzquote, Instanz-Teams mit eigener Agenda) - Genau so schlimm wie Twitter: Unübersichtlichkeit - Ausgeprägte und zelebrierte Blockkultur: - Zugespitzt: Einmal falsch gegendert und schon ist man raus - → Verringert die kommunikative Konfliktlösungskompetenz der Beteiligten ### Messenger (z.T. Mailinglisten) - Inhaltliche Diksussionen in (größeren) Chaträumen werden selten zuende geführt; oft laufen mehrere Themen parallel bzw. eine neue Nachricht tritt eine neue Diskussion los ## Lösungsansätze ### Existierende Beispiele gelingender Kommunikation #### Issue-Tracker z.B. auf github, gitlab, codeberg - Thema ist klar umrissen - Lösungsorientierung (z.B. Bug-Fixen) - überschaubare TN-Zahl - Menschen (Projektmitglieder) fühlen sich verantwortlich und übernehmen Moderationsaufgaben - z.B. Hinweis: "... das ist ein unabängiges Problem, bitte separates Issue öffnen" - Klarer Status - "Problem besteht weiterhin" - "Problem ist inzwischen gelöst" - "das ist kein Problem, sondern das soll so sein" #### Stackoverflow - Hintergrund: Früher fand Wissensaustausch zu Programmierproblemen in Foren und über Mailinglisten statt. Auf eine Frage folgten typischerweise viele viele kaum nützliche Antworten bis jemand mal eine Problemlösung gepostet hat. Dann wurde mitunter weiterdiskutiert. - Stackoverflow formalisiert Frage-Antwort Kommunikation - klare Vorgaben, für Fragen (sonst werden sie gelöscht) - Bewertungen (Upvote/Downvote) von Fragen und Antworten - Ermöglicht Sortierung nach Qualität/Relevanz statt nach Datum - Sammeln von Reputationspunkten erhöht massiv den Anreiz Fragen zu beantworten - → Sehr große Nutzwertverbesserung ggü. klassischem Forum #### Gewaltfreie Kommunikation - bewusste Trennung zwischen *Beobachtung* (werturteilsfrei) und *Bewertung* - eigene emotionale Reaktion wird bewusst reflektiert - Fokus auf "Ich-Botschaften" statt auf "Du-Botschaften" (Vorwürfen) - Lösungsorientierung: Ziel ist eine *Bitte* zu formulieren ##### GfK-Kritikpunkte: - Bezeichnung "gewaltfrei" impliziert sprachliche Gewalt bei anderen Kommunikationsformen → Vorwurf, Akzeptanzhürde - durch starke Betonung von Emotionalität → Anwendungsschwierigkeiten in bestimmten seriösen/formalen Kontexten (z.B. Tarifverhandlungen) #### Systemisches Konsensieren - Methode zur Entscheidungsfindung in Gruppen (besonders wenn es mehr als zwei Optionen gibt) - Problem bei etablierten Methoden: - Diskutieren bis zum Konsens: - kostet Zeit, Aufmerksamkeit → Frustration - Gefahr der bewussten Lähmung der Gruppe - Option mit den meisten Stimmen gewinnt - Ähnliche Optionen können sich gegenseitig Stimmen klauen - Polarisierende Optionen (mit starker Zustimmung der Mehrheit und starker Ablehnung bei einer Minderheit) können gewinnen → Konflikte in der Gruppe - Lösungsansatz: Es wird nicht nach Zustimmung sondern nach Ablehnung gefragt; → Option mit der geringsten Ablehnung gewinnt - Implementierung (beta Version): https://moodpoll.uber.space/ - Quasi Selbsterklärend #### Versionskontrolle mit git und github/codeberg - Hauptanwendungsgebiet: Quelltexte von Software - Änderung von Texten kann präzise nachvollzogen werden: - Wer hat wann was warum hinzugefügt/gelöscht? - Diskussion von Änderungsvorschlägen - In Diskussionsprozessen entstehen oft viele Versionen von Dokumenten. Überblick bewahren ist nicht trivial (auf welche Version bezieht sich eine konkreter Vorschlag? Was genau sind die Änderungen?). Tools wie github/codeberg bieten dafür passende Kommunikationsformalisierung, sog. "Pull-" bzw. Merge-Requests". #### Markdown - Erlaubt das Formatieren/Strukturieren von Texten - sehr gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis - Vorteil ggü. Word etc: basiert auf plain-Text - sehr gut geeignet für Versionsverwaltung - keine "versteckten Informationen" (z.B. Makros) ### Ideen für zu entwickelnde Lösungsansätze (technische und soziale Innovationen) Anzuwenden in passenden Kontexten, also z.B. Diskussion um allgemeines Tempolimit auf Autobahnen, nicht bei "Schokoeis ist besser als Vanillie". #### Überblick verbessern (technisch) - Existierende Experiemente: - https://sober-arguments.net/ - Plattform die Diskussionen entlang (verschachtelten) von Pro- und Kontraargumenten darstellt; Argumente lassen sich bewerten - https://codeberg.org/cknoll/fedivis - Tool zur grafischen Darstellung der Antworten auf eine Nachricht (adressiert das Problem) #### Inhaltliche Qualität verbessern (technisch/sozial) - Anreize zum Einfügen von Quellenangaben - Beleidigungen, Drohungen etc. erkennen (aber unterscheiden von Zitaten, Ironie, ...) - Redundanz vermeiden ("Es ist zwar schon alles gesagt aber noch nicht von jedem") - Assistenzsoftware könnte Redundanz feststellen und vor dem Abschicken darauf hinweisen #### Digital unterstützte Diskursanalyse (technisch/sozial) - Identifikation, Gruppierung und Visualisierung wichtiger Argumente und Gegenargumente → nutzbar als Grundlage für qualifizierte Diskussionsbeteiligungen - Beispiel: - "Die Sonnenaktivität beeinflusst unser Klima viel stärker als sog. Treibhausgase." - → "Das ist Klimaschutzverzögerungsbehauptung 12a, und seit spätestens 2002 wiederlegt unter anderem durch die Untersuchungen Q34, Q61 und Q378. Falls Sie keine neuen revolutionären Ergebnisse dazu haben, kann ich Sie diesbezüglich leider nicht ernst nehmen." #### Selbstverpflichtung auf Kodex zur konstruktiven digitalen Disskussion (`#K2D2`) (sozial) - Mögliche Inhalte: - Achtung der Menschenwürde - Möglichkeit des eigenen Irrtums einkalkulieren - Sachkritik statt Personenkritik - begründete Argumente statt unbelegter Behauptungen - kein Blocken ohne Vorwarnung > [name=ABC] Öffentliche Diskussionen sind keine Safe Spaces, Blocking ist Self-Care. >> [name=XYZ] Es geht mir nicht darum, Blocken zu ächten. Es geht mir im Rahmen der Selbstverpflichtung darum, dass Menschen sich dazu bekennen, dass sie sich um eine konstruktive Debatte bemühen – und Blocken ohne Vorwarnung ist, wenn die auslösende Seite keine objektive Grenze überschritten hat, aus meiner Sicht nicht konstruktiv. Vermutlich bedarf das aber einer genaueren Spezifikation. Eine Idee wäre, wenn beide Seiten die Selbstverpflichtung teilen, ein temporärer Block und Klärung durch eine dritte Instanz. - potentieller Nutzen: - Menschen, die siche einem solchen Kodex verpflichtet fühlen, könnten sich gegenseitig in schwierigen Situationen helfen - z.B. schlichtend in einen Streit eingreifen - Redliche Positionen mit fünf statt mit einer Stimme vertreten, ... - Schwere Fälle von Verstößen könnten (nach Gruppenentscheidung) als Sanktion auf einer "Wall of Shame" veröffentlicht werden, z.B. durch Verlinkung der problematischen Nachrichten - Voraussetzung wäre eine geeignete Kommunikationsinfrastruktur (z.B ein dafür eingerichteter Chatraum) - Einordunung: Das wäre eine Art selbstorganisierte Community-Moderation, zusätzlich zur Plattformabhängigen Moderation z.B. auf Mastodon - Plattform/ bzw. Server-Regeln sind (aus guten Gründen) deutlich liberaler als die Selbstverpflichtungsregeln - analog: gesetzlich ist es nicht verboten ein egoistischer Rüpel zu sein; trotzdem ist es gute Praxis, Mitmenschen vor egoistischen Rüpeln zu warnen > [name=EFG] sehr guter Ansatz! Ergänzt um Lernfähigkeit: sowas wie "Discursive Commons", d.h.anpassbare, kopierbare Regelbausteine für Diskussionsgruppen, etwa "DC-M-ISS 3.0" -> moderiert, ideale Sprechsituation ;) - diese kann eine Gruppe oder ein Forenbetreiber auswählen, sie können ausprobiert werden, und was sich bewährt setzt sich durch (hoffnungsweise) > > generell "Trial & Error Ansatz"; Formate/Tools ausprobieren, evaluieren, verbessern, dafür lernfähiges Environment etablieren, Tools dafür >> [name=XYZ] >> Mögliches Problem: zu starkes Durcheinander verschiedener Formate/Regeln/Tools ... → Schwierigkeit bei Akzeptanz. #### Kampagne für konstruktive (digitale?) Diskussionskultur - Erwartbar breite Zustimmung, dass die gegenwärtige Situation bezüglich der Diskussionskultur unbefriedigend ist - Idee: - Wir formulieren ein "Manifest" bzw. einen offenen Brief mit Problemanalyse, Erwartungshaltung (z.B. ggü. Medienplattformen) und Selbstverpflichtung - Wir versuchen Organisationen und Individuen mit Reichweite als Unterstützer:innen zu gewinnen. - Kritischer Punkt dabei: auf "Ausgewogenheit" achten, um zu verhindern, dass das Anliegen durch ad-hominem-Angriffe und "Kontaktschuld" für bestimmte Kreise diskreditiert wird. Idee: Unterstützung der etablierten politischen Stiftungen (Konrad-Adenauer, Friedrich-Ebert, Heinrich-Böll, Rosa-Luxemburg, Friedrich-Naumann, ...) - offene Frage: Fokus auf *digitale* Diskussionskultur? - Contra: - das Problem betrifft nicht nur den digitalen Raum - Abgrenzung schwierig (z.B. bei digitalen Reaktionen auf Aussage bei Live-Veranstaltung etc.) - Pro: - überschaubarerers Problemfeld (aber immer noch groß genug) - wir "wildern" nicht im Zuständigkeitsbereich der klassischen Medien (z.B. durch Kritik am Talkshow-Format) → eher Unterstützung (wohlwollende Berichterstattung) von dort - digitale Sphäre ist eher von Graswurzel-Initiativen geprägt (z.B. `#metoo`) - Falls die Kampagne hinreichend rezipiert wird, ist positive Ausstrahlung auf allgemeine Diskussionskultur praktisch unvermeidbar #### Nutzung von Versionsverwaltung, kryptografischen Signaturen und ggf. Blockchains als Bollwerk gegen Desinformation - Problem: Durch generative KI oder den schlichten Einsatz von Grafiksoftware ist eine Vielzahl von "Desinformationsartefakten" online, und es werden absehbar noch viel mehr. - Lösungsansatz: Der Aufwand, diese als solche zu erkennen muss sich massiv reduzieren. - Lösungsidee: Beweislastumkehr - Jedem Bild/Video/Text ist grundsätzlich zu misstrauen, wenn Urheber und Medium nicht übereinstimmen. - Beispiel: auf https://www.bundeskanzler.de/2023/meister erscheint ein Beitrag indem der Bundeskanzler einem Team zur deutschen Meisterschaft in einer Sportart gratuliert → vertrauenswürdig - Beispiel: auf https://sv-kleckersdorf.de/2023/meister erscheint ein Beitrag indem der Bundeskanzler einem Team zur deutschen Meisterschaft in einer Sportart gratuliert → **nicht** vertrauenswürdig - Problem: (redaktionelle) Medien (z.B. tagesschau.de, bild.de, unabhängiges-blog-xyz.de) machen genau das: Beiträge über Dritte recherchieren und veröffentlichen. Glaubwürdigkeit des Beitrags resultiert dann aus Reputation des Mediums. - Problem: Gefälschter Tagesschau-Screenshot über Chatgruppen verbreitet benutzt und zerstört gleichzeitig Reputation des Mediums. - Lösungsideen: - Echtheit (d.h. Zuordnung zur behaupteten Quelle) muss sich leicht überprüfen lassen, z.B. durch unabhängige, manipulationssichere und referenzierbare Archivierung von Medienbeiträgen. - → Wir könnten ein Proof of Concept auf Basis eines git-Repos umsetzen. - Kampagne: Qualitätsmedien sollten Vertrauenskrise ernstnehmen und aktiv gegensteuern, z.B. durch - unterstützung eines unabhängigen und referenzierbaren Archivs (siehe oben) - saubere Quellenarbeit (z.B. Verlinkung von Pressemitteilungen, Dokumenten, etc.) - Qualitätssicherungsmechanismen und Fehlerkultur - (z.B. "Fehler melden"-Button zu jedem Beitrag → verknüpft mit Issue-Tracker) #### Meme-Debunker (technisch) - Problem: Desinformation und Hetze wird oft in Form von Memes (Bilder/Animation + kurze Texte) verbreitet. Für viele der so geteilten Infos gibt es Richtigstellungen und Einordnungen (z.B. durch Fact-Checking-Initiativen). Diese haben aber oft eine geringe Reichweite innerhalb der ursprünglichen Meme-Zielgruppe - Lösungsidee: Es müsste einen Dienst geben, wo man ein Meme hochladen kann, und verfügbaren Einordnungen etc aufgelistet bekommt. → Niedrigschwelligere Überprüfung → größere Reichweite #### Desinformations-Tracker (technisch) - Problem: Über verschiedene Kanäle (Push-Benarichtigungen von Apps, Chatgruppen, Whatsapp-Status, ...) kommen unzälige Informationen auf digitalen Kommunikationsgeräten an, viele davon zweifelhaft oder falsch. Durch die Vielzahl an Nachrichten geht der Überblick verloren, welche Info woher kam. Wenn sich eine Information als falsch herausstellt, kommt die Quelle meist ohne den angemessenen Reputationsverlust davon. Stattdessen verteilt sich dieser ungefähr gleich auf alle Quellen ("man kann nichts mehr glauben") - Lösungsidee: Es müsste eine App geben, mit der man unkompliziert und nachvollziehbar die Glaubwürdigkeit verschiedener Quellen tracken kann. Dann kann man z.B. auch im Bekanntenkreis besser argumentieren ("In den letzen Monaten habe ich von dir 12 Status-Meldungen bekommen, die sich als falsch oder irreführen rausgestellt haben. Falls Du ernstgenommen werden möchtest, solltest Du vor dem Verbreiten besser recherchieren.") > [name=EFG] > #### Resiliente Gruppen > Mehr Wunsch/Ziel als Lösung: > keine noch so schlaue Regel oder Tool werden einfach so dauerhaft funktionieren, allfällige Angriffe müssen als gegeben angenommen werden; wie kann hier Resilienz aussehen? > Etwa (rohe Gedanken, mir fallen selbst lauter Gegenargumente ein...) > - Kombination von Online- und Offlinegruppen > - Kennzeichnung von Gruppen, um Vertrauen zu bilden > - pgp-artiges Trust-Network "ich schätze Person X als fair diskutierend", "ich habe eine Nähe X zur Position von Person X" (ja, das hat auch schon bei pgp nicht funktioniert :-( ) > - Rating: neutrale Platform, auf der Diskutanten geratet werden können: "5 Sterne für Fairness, 2 für Rationalität" >> [name=XYZ] >> - Ich finde die Idee mit dem "Trust-Network" (bzw. würde ich es "Reputaion" nennen) interessant. Das ist nicht trivial umzusetzen, vor allem unter Berücksichtigung von Datenschutz und Usability. Aber trotzdem interessant. Aus meiner Sicht ist das was für mittlere bis längere Frist. >> - Bezüglich: "keine noch so schlaue Regel oder Tool werden einfach so dauerhaft funktionieren, allfällige Angriffe müssen als gegeben angenommen werden;" >> - Das verstehe ich noch nicht. Kannst Du ggf. Beispiele angeben oder verlinken? >>> [name=EFG] ich denke dabei daran, dass der Mensch findig ist, und irgendjemand immer versuchen wird, Regeln zu umgehen oder zu missbrauchen; Beispiel: [Eristische Dialektik](https://de.wikipedia.org/wiki/Eristische_Dialektik) oder auch [Trugschlüsse](https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_fallacies), beides wohlintendierte Kategorisierungen von Fehlleistungen oder rhetorischen Manövern, die sinnvoll angewendet werden können um in Diskussionen zur Sache zurück zu finden; in manchen Foren jedoch inflationärer Gebrauch und "Metaschlachten", um von der Sache abzulenken (vorsätzlich, versehentlich, unwissentlich...) >>> Was ich mich frage: wie kann eine "gesunde", "resiliente" Gruppe aussehen? Welche Bedingungen müssen hergestellt werden, damit das funktioniert? >>> Anderes Beispiel: die Forderung nach Belegen und Quellen (primär gut) führt oft zu "Link-Spamming", also haufenweise Verweisen auf Artikel u.ä., womit eine Diskussion erschlagen wird ("lies erstmal das alles bevor wir weiterreden"); Gegenmaßnahme könnte sein: Links technisch klein halten, also nicht mit aufgebläter Vorschau, verbunden mit der Forderung, dass Argumente für die Diskussion zusammengefasst werden sollen; ähnlich: die Forderung an wissenschaftliche Quellen, die Ergebnisse verstehbar zusammenzufassen (was allerdings schwer bis unmöglich sein kann)